Tag der Befreiung am 8. Mai

Trotz Regenwetters haben sich einige junge Rekener auf die Spuren der nationalsozialistischen Zeit in Groß Reken begeben. Organisiert hatte die Aktion das Jugendzentrum Area 48734 zum Tag der Befreiung am 8. Mai. Unter der fachkundigen Leitung von Hermann Josef Holthausen und Ulrich Hengemühle startete die Gruppe ihren Rundgang.

Vom Jugendzentrum aus ging es durch die heutige Overbergstraße. Einst habe es hier eine Einkaufsstraße mit jüdischen Geschäftsinhabern gegeben, erklärten Holthausen und Hengemühle den Kindern und Jugendlichen.

Die Straße habe dort geendet, wo heute ein Blumenladen steht. Erst die Alliierten hätten für einen provisorischen Ausbau der Straße gesorgt. Mit einem Panzer hätten sie Teile eines Feldes eingeebnet, um schneller nach Dülmen und Coesfeld zu gelangen, erläuterte Hermann Josef Holthausen den jungen Rekenern.

Ulrich Hengemühle erzählte ebenso von der Geschichte der Familie Silberschmidt, deren Sohn, von einem örtlichen Polizisten gewarnt, im Jahr 1937 die Flucht ergriff. „Die Eltern wurden von den Nationalsozialisten gezwungen, ihr Geschäft zu verkaufen und dann in ein Borkener Judenhaus umgesiedelt“, schilderte Hengemühle das damalige Geschehen. Samuel Silberschmidt sei 1941 nach Argentinien ausgereist. Doch seiner Mutter Rosa sei die Ausreise verweigert worden. Über ihr weiteres Schicksal sei heute nichts mehr bekannt, so Hengemühle.

Holthausen berichtete den Jugendlichen, dass nach dem Krieg keine Juden mehr in Reken gelebt hätten. „Stell dir mal vor, dein Schulfreund, mit dem du jeden Tag zur Schule gehst, darf von einem Tag auf den anderen nicht mehr mit dir befreundet sein. Das war damals so“, verdeutlichte Hengemühle den Jungen. Der 14-jährige Leon Tomic war beeindruckt: „Man ahnt es nicht, dass so etwas auch in einem kleinen Dorf wie Reken passiert ist.“

Zum Abschluss ging es zum Gedenkstein an der ehemaligen Synagoge. Dort, wo früher einmal das Gotteshaus war, steht nun ein Wohnhaus.

Über die Kinder und Jugendlichen, die sich trotz des Regens mit auf den Weg gemacht hatten, freute sich Holthausen besonders: „Ich finde es gut, dass die jungen Menschen nachfragen. Da gebe ich gerne Antworten.“ Termine wie dieser Rundgang seien für ihn auch Aufklärungsarbeit, sagte Holthausen.

Der zwölfjährige Jamie Grunau war froh, sein Wissen erweitern zu können. Bislang habe er in der Schule noch nicht viel über dieses Thema gelernt. „Jetzt freue ich mich besonders auf den Geschichtsunterricht“, sagte der Sechstklässler.

Quelle: Borkener Zeitung
Autor: Stephan Werschkull